Familiengrab

In Familiengräbern, die über eine relativ große Grabfläche verfügen, können mehrere Familienmitglieder beigesetzt werden. Familiengräber ermöglichen zudem die Aufstellung größerer oder mehrerer Grabsteine, die Anbringung von Verzierungen und die Platzierung von Skulpturen. Über klassische Inschriften hinaus können z. B. auch Leitsprüche auf dem Grabstein angebracht werden. Die größere Fläche eines Familiengrabs lässt zudem eine vielfältigere Bodengestaltung durch Bepflanzung oder mit Steinplatten zu.

Familiengrab statt Gruft

Die Tradition von Familiengrabstätten reicht Jahrtausende zurück. Sie waren stets Zeichen der Zusammengehörigkeit und Verbundenheit über den Tod hinaus. Bis in das 19. Jahrhundert erfolgten Bestattungen in Grüften als einer repräsentativen Form der Grabanlage, die allerdings kleinen Personenkreisen vorbehalten blieb. Im deutschsprachigen Sprachraum haben Erdbestattungen in Familiengräbern die früheren Gruftbestattungen weitgehend abgelöst.

Das Familiengrab als Wahlgrab

Wenn die Angehörigen eines Verstorbenen ein Familiengrab anlegen möchten, dann entscheiden sie sich für ein sogenanntes „Wahlgrab“ (anstelle eines „Reihengrabes“). Nur Wahlgräber ermöglichen den Angehörigen die Auswahl von Lage und Größe einer Grabstätte. Wahlgräber werden für Sarg- und/oder Urnenbestattungen vergeben. Das Nutzungsrecht an einem Wahlgrab ist verlängerbar.


Im Unterschied zu Wahlgräbern handelt es sich bei Reihengräbern überwiegend um Einzelgräber, die auf einem Grabfeld (der Reihe der Sterbefälle nach) von der Friedhofsverwaltung zugewiesen werden. Ein Wahlrecht hinsichtlich der Lage eines Grabs besteht nicht. Urnenbestattungen sind in einem Reihengrab nicht zulässig. Nach der nicht verlängerbaren Ruhezeit wird ein Reihengrab in der Regel aufgelöst und eingeebnet.

Die verschiedenen Arten eines Familiengrabs

Unterschieden wird zwischen einstelligen und mehrstelligen Familiengräbern sowie Tiefgrabstellen:

Das Familiengrab als Erdwahlgrab

Das Familiengrab als Urnenwahlgrab

Ein Familiengrab kann auch als Urnenwahlgrab eingerichtet werden. Unter den verfügbaren freien Urnen-Grabstätten eines Friedhofs wird ein gewünschter Platz ausgewählt. Urnenwahlgräber von einem Quadratmeter Größe nehmen bis zu vier Urnen auf. Einige Friedhofsordnungen sehen einstellige Urnen-Wahlgrabstätten für bis zu zwei Urnen vor. Teilweise kann anstelle einer solchen Standard-Urnengrabstätte eine Erdbestattungs-Grabstelle als Urnenwahlgrab gepachtet werden.

Die Gestaltung von Familiengräbern

Familiengräber befinden sich oftmals über Generationen im Familienbesitz. Die Gestaltung eines Familiengrabs sollte daher sorgfältig und vorausschauend erfolgen, um den Erhalt des Grabmals für eine längere Zeitspanne sicherzustellen.

Grabsteine bei Familiengräbern: Lange Liegezeiten beachten
Geräumige Familiengräber erlauben die Kombination von Grabsteinen unterschiedlicher Farbe und Form. Bei Reihengräbern hingegen unterliegt die Grabstein-Gestaltung zuweilen einigen Restriktionen. Angesichts langer Liegezeiten bei Familiengräbern von mindestens einigen Jahrzehnten ist bei der Auswahl eines Grabsteins auf Witterungs- und Frostbeständigkeit zu achten. Meist werden daher für Familiengräber langlebige Grabsteine aus Granit, Marmor, Basalt oder Sandstein verwendet. Sogenannte „Breitsteine“ können aufgrund ihrer Größe mehrere Namen und zusätzliche Informationen aufnehmen.
Auf modische Trends eher verzichten
Zu den vielfältigen Möglichkeiten einer Grabstein-Gestaltung gehören beispielsweise die Verzierung mit Glasmotiven oder die Verwendung zweiteiliger Grabmale. Die Gestaltung von Familiengräbern sollte allerdings eher zeitlos erfolgen und nicht zu sehr modischen Trends folgen.
Die Gestaltung der Grabfläche
Eine saison-unabhängige Bepflanzung wird bei Familiengräbern oftmals bevorzugt. Häufig erfolgt eine teilweise oder sogar komplette Stein-Abdeckung der Grabfläche.
Beratung bei der Anlage eines Familiengrabs
Angehörige sollten sich vor der Anlage eines Familiengrabs insbesondere zur Gesamtgestaltung des Grabs, zum Material des Grabsteins und zur Grabeinfassung beraten lassen.

Die Umwidmung eines bestehenden Grabes in ein Familiengrab

Soll ein Familiengrab errichtet werden, so muss nicht unbedingt eine zusätzliche Grabstelle gepachtet werden. Möglich ist die Umwidmung eines bestehenden Grabs in ein Familiengrab. Vor der Nutzung als Familiengrab werden die Verwendbarkeit der vorhandenen Grabanlage als Familiengrab geprüft und die Zustimmung der Nutzungsberechtigten eingeholt.

Die einzuhaltenden Ruhezeiten

Die Ruhezeit ist die Zeitspanne, die vor der Neuvergabe eines Grabes verstreichen muss. Die einzuhaltende Ruhezeit wird in der jeweiligen Friedhofsordnung geregelt. §6 des Bestattungsgesetzes regelt die Mindestruhezeiten: Bei Kindern, die vor dem zweiten bzw. zehnten Lebensjahr verstorben sind, müssen Mindestruhezeiten von sechs bzw. zehn Jahren eingehalten werden. Für ab Vollendung des zehnten Lebensjahres Verstorbene gilt eine Ruhezeit von mindestens 15 Jahren. Die meisten Friedhofsordnungen legen (je nach Bodenbeschaffenheit) allgemeine Ruhezeiten von 20 bis 30 Jahren und für verstorbene Kinder kürzere Ruhezeiten fest (z.B. 15 Jahre bis zu einem Alter von sechs Jahren). Von Bedeutung für Familiengräber ist, dass die Ruhezeit mit dem Zeitpunkt der letzten Bestattung beginnt. Verlängert sich durch die letzte Beerdigung die einzuhaltende Ruhezeit über die ursprünglich vereinbarte Pachtdauer hinaus, so muss der ggf. fehlende Zeitraum nachgepachtet werden.

Welche Kosten entstehen bei Familiengräbern?

Grabnutzungsgebühren

Wahlgräber zählen zu den hochpreisigsten Grabstellen. „Grabnutzungsgebühren“, die meistens als Einmalzahlung zu Beginn der Pachtzeit zu zahlen sind, sollen die Kosten für die Grabflächen-Bereitstellung abdecken. Die Nutzungsgebühren für ein Familiengrab variieren nicht nur nach den Größe des Grabs, sondern auch nach den Festsetzungen der lokalen Friedhofsordnung. Die Gebühren für ein Urnenwahlgrab sind gewöhnlich deutlich geringer als die Gebühren für ein Erdwahlgrab. Für eine dreißigjährige Ruhezeit werden bei Einzelwahlgräbern Grabnutzungsgebühren ungefähr zwischen 1.300 Euro und 2.700 Euro und für Doppelwahlgräber 2.900 Euro bis 5.400 Euro berechnet. Für bis zu einem bestimmten Lebensalter verstorbene Kinder (z. B. bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr) werden geringere Grabnutzungsgebühren angesetzt. Bei der Verlängerung der Nutzungsdauer eines Wahlgrabes sind erneut Gebühren zu entrichten.

Grabpflege

Aufgrund der Größe eines Erdwahlgrabs entstehen für die Pflege eines Familiengrab meistens höhere Kosten als bei Reihengräbern. Wegen des erhöhten Pflegeaufwandes wird bei größeren Wahlgräbern häufig eine Friedhofsgärtnerei mit der Grabpflege beauftragt.